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Zum Thema "Weniger ist mehr" möchte ich auch noch eine Geschichte zum Besten geben:
Dreiländerfahrt
mit einer Gilera Strada 150 und zwei Heinkel-Rollern
Anfang September 2000 las ich in einer Zeitungsanzeige unter "Sonstige Motorräder": "Gilera Strada, zerlegt, 100,- DM, Tel...." Obwohl ich Ende der siebziger Jahre einmal so ein Motorrädchen besaß und nicht nur gute Erinnerungen daran hatte, habe ich am 09.09.2000 zugeschlagen. Ende April 2001 war sie wieder zusammen und hatte TÜV, alles in allem war ich ca. 2.000 DM ärmer.
Für den 20.05.2001 hatte ich mich mit Udo, sonst auch unter anderem California-Fahrer, und Uwe, unter anderem hat der eine 900 SS, vom Oldtimer-, Youngtimer-, Traktor- und Motorradstammtisch Waldkönigen zu einer Fahrt nach Wadgassen ins Saargebiet zum Motorrad- und Teilemarkt am dortigen Zweirad-Museum verabredet. Die beiden mit ihren Heinkel-Rollern und ich mit der Gilera, mit der ich bis dahin hier in der Umgebung ca. 200 km gefahren bin.
Um 8:00 Uhr morgens wollten wir in Waldkönigen starten. Mit meiner Guzzi fahre ich in Lederklamotten und Vollvisierhelm. Weil ich glaubte, daß das nicht zur Gilera paßt, fuhr ich mit Jeans und Textiljacke und Jethelm von Dockweiler nach Waldkönigen. Damir nach diesen dreieinhalb Kilometern schon die Augen tränten, fuhren wir über Dockweiler, damit ich den Jethelm gegen den Vollvisierhelm austauschen konnte. Nun ging es los. Über Gerolstein fuhren wir durch das wunderschöne Kylltal bis Densborn, von dort durch einen Wald bergauf mit vielen Kurven nach Neustraßburg. Hier machte ich eine ganz neue Erfahrung, ich konnte Vollgas stehen lassen! Nur die Heinkel-Roller zwangen mich, oben Gas wegzunehmen. Von Neustraßburg nach Bitburg ging's auf die B 257 nach Echternach/Luxemburg. Hier liefen die Heinkels auch mal 100 Sachen. Dabei drehte die Gilera über 7.000 U/min, und ich hörte genau hin, aber der Motor klang gesund. Ab Echternach hatte Udo sich bis Wasserbillig eine ganz besondere Strecke mit kleinen und kleinsten Sträßchen ausgesucht. Wunderbar.
Langsam bereute ich, keine Lederhose oder wenigstens eine lange Unterhose angezogen zu haben. Es wurde frisch. Von Wasserbillig ging's über die gut ausgebaute Moseluferstraße mit den Weinbergen links und rechts über Remich nach Schengen. Hier wieder eine neue Erfahrung: Entgegenkommende Motorradfahrer grüßten nicht. Aha, wir wurden also nicht für voll genommen.
Eigentlich wollten wir nun über Thionville, aber an Udos Roller wurde der Kupplungszug immer länger. Gas- und Schaltzug hatte er dabei, nur keinen Kupplungszug. Deshalb fuhren wir wieder über kleinste, diesmal französische, Straßen Richtung Wallerfangen und dann nach Wadgassen. Mittlerweile war's ja 12:30 Uhr. Auf dem Teilemarkt konnten wir leider keinen Ersatz für Udos Kupplungszug auftreiben. Für 15:00 Uhr wurde ein Treffpunkt verabredet für die Heimfahrt.
Um 14:30 Uhr waren wir im Museum zufällig wieder alle drei zusammen. Uwe zeigte uns dann draußen auf dem Teilemarkt einen 150er-Vespa-Roller, den er begehrte (bald zwanzig Jahre abgemeldet, kein Kabel und Zug mehr dran, viele Teile lagen daneben im Eimer, aber auch 700,- DMchen teuer). Er hatte sich dann doch erstmal nur die Adresse vom Verkäufer geben lassen und nicht gleich hier zugeschlagen.
Um 15:30 Uhr konnten wir den Heimweg antreten. Beim Ankicken der Gilera glaubte ich, staunende Blicke anderer Motorradfahrer wahrzunehmen. Dieses kleine Motorrad gibt ja Töne wie eine viel größere Maschine von sich.
Von Wadgassen sind wir bis Merzig auf der Autobahn gefahren, von dort Richtung Mettlach, dann auf gut ausgebauter Straße nach Remich (Luxemburg), hier wieder auf die Moseluferstraße. Entgegenkommende Motorradfahrer grüßten immer noch nicht. Die, die an der Mosel parkten und die uns hörten, die Heinkels haben ja auch einen Viertakter, hoben schon mal die Hand und winkten.
In Grevenmacher ging's auf die Autobahn bis zur B 51 in Deutschland, die wir dann bis Bitburg fuhren. Von dort über die B 257 nach Daun und nach Hause, wo ich um ca. 18:15 Uhr ankam. Insgesamt fuhr ich an diesem Tag 365 wunderschöne Kilometer, die mir sicher auch mit meiner Moto Guzzi V 65 (siehe Motalia Nr. 99, "Sie ist fertig oder sie wird's nie") Spaß gemacht hätten. Aber Gilera fahren ist anders.
Ich bedaure nur, mit Vollvisierhelm gefahren zu sein. Keiner konnte mein Grinsen sehen! Auch Mama hat die Fliegen auf den Zähnen vermißt.
Jochen Brückner
PS. Denkt dran, wenn mich mal jemand trifft: Mit Busfahrern, die kleine Guzzis umbauen und mit Gilera Stradas solche Touren machen, muß man gaanz laangsaam sprechen. |