|
Italienische Liebe
-Oder wenn ein Italofreak mit einem bayrischen Töff eine Reise tut.-
Eigentlich fing alles ganz anders an und war gar nicht geplant, wie mir meine liebe Ehefrau und mein Bekanntenkreis gerne unterstellen möchten. Ich hatte im Spätsommer 1991 mit einem Bekannten eine Motorradtour auf ehemaligen italienischen Militärsträßchen, wie Pasubio, Monte Baldo, etc. geplant. Hierzu wollte ich mich mit Ihm nach einem vorangegangenen Verwandtschaftsbesuch auf dem Reschenpass treffen.
Zur geplanten Tour über mehrere Tage, welche großteils auf Schotterstraßen bewältigt werden sollte, lieh ich mir die R 90 S eines guten Bekannten aus, mit der ich unter anderem schon die Ligurische Grenzkammstraße befahren hatte.
Meine 900er Köwe-DUC blieb zu Hause. Sie war mir zu schade für die geplante Schottertour, obwohl sie gelegentliche Abstecher auf ungeteerten Straßen, wie z. B. den Gaviapass klaglos überstanden hatte. - Aber der Lenkeinschlag; Ihr wißt ja. 
Also, los gings mit der BMW am frühen Morgen in Richtung Bodensee/Bregenz und weiter ins vordere Allgäu, denn ich wollte schon immer Mal bei Rainer Bollgrün reinschauen, der ja unter anderem auch in der Motalia diverse italienische Oldies zum Verkauf anbietet.
Ich fuhr also nach Ratzenried und fand auch sehr schnell den Hof des Herrn Bollgrün. Als ich auf den Hof fuhr und abstieg, um mich in den diversen Gebäudeteilen umzuschauen, begann eine Idee in meinem Kopf zu reifen.
Ich könnte ja eigentlich zu meiner 900 SS noch eine Einzylinder-DUC stellen. Aber leider war nichts passendes am Lager, und das, was mir gefallen hätte, war schon auf zwei Anhänger verladen, welche von Norddeutschen Pkw’s gezogen wurden.
So schlenderte ich weiter über das Anwesen und wollte eigentlich schon wieder weiterfahren, da sah ich sie.
Sie stand ganz alleine hinterm Haus und war ganz rot: - Eine Aermacchi 350 TV, mit Rennhöcker und dem originalen Tank einer Ala D’Oro, Stummellenker etc. Sie hatte zwar einen ordentlichen Sturzschaden, wie z. B. ein Loch im rechten Gehäusedeckel und viele andere Dellen, aber sie war mir trotzdem gleich sympathisch. Die Leute vom hohen Norden hatten offensichtlich für dieses Schmuckstück keinen Platz mehr auf den Anhängern gehabt und so wurde ich mit Herrn Bollgrün schnell handelseinig.
Ich setzte dann mit etlichen Restaurierungsgedanken und anderen Flausen im Kopf meine Tour fort, wurde jedoch am Fernpass plötzlich durch seltsame Geräusche der BMW aus meinen Träumen gerissen. Es quietschte und pfiff im linken Zylinder, als würde man in einer Blechdose einige Schrauben schütteln. Alles hörte sich an wie ausgelaufene Ventilführungen oder gar einem Kolbenschaden. Was mich am meisten beunruhigte war, daß die Geräusche drehzahlabhängig waren. Also nichts wie hin zur nahegelegenen Verwandtschaft und im Zylinderkopf nachgeschaut. Das Ergebnis war, daß ich meinem Bekannten, welcher am anderen Tag am Reschenpass auf mich warten sollte, absagen mußte. Also gings zwei Tage später schön langsam zurück ins Badische, wo ich zu Hause bin, immer mit dem Gedanken im Kopf, wie erkläre ich meinen Neuerwerb meiner lieben Frau. Zu Hause angekommen, konnte ich dann doch meine Ehefrau von meiner neuen, zweirädrigen Liebe überzeugen.
Die Woche darauf hatte ich dann schnell einen Anhänger organisiert, um die Aermacchi Heim zu holen. Die folgenden Herbst- und Winterabende waren recht kurzweilig. Ich wurde mal wieder zur Kellerassel.
Der Motor selbst bereitete am wenigsten Probleme, die Kurbelwelle drehte sich, das Getriebe ließ sich schalten und lief ohne besondere Geräuschentwicklung, so daß ich es nicht zerlegen mußte. Nur das Drumherum wurde auch unter Mithilfe guter Kollegen (Schweißen des Gehäusedeckels etc.) restauriert.
Auf Details möchte ich mich nicht einlassen, sonst wird die Geschichte noch länger.
Auf jeden Fall gabs dann noch die im hiesigen Raum fast üblichen Schwierigkeiten mit dem TÜV, aber auch die wurden gemeistert. Im Sommer 1992 fanden die ersten Fahrten statt und es war ein Genuß, wie sie lief. Lediglich die für mich noch ungewohnte Rechtsschaltung verlangte Anfangs ziemliche Konzentration. Vielleicht habe ich das Glück und finde noch einen 30er SSI-Dell’Orto-Vergaser und eine einrohrige Auspuffanlage mit der schönen, konischen Renntüte. Dann werde ich die Aermacchi sicherlich beim ein- oder anderen Italiener-Club-Rennen einsetzen. 
- Ach ja, dann wäre da noch die RUMI 125 SS, welche noch unrestauriert in der Werkstatt schlummert, aber diese Entdeckung ist eine andere Geschichte wert.
Götz Bauer |