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Ducatis aus Australien
In dem für uns so fernen Australien gibt es einen Mann, der sich schon seit Jahren auf Motorräder aus Bologna, genauer gesagt auf die Marke Ducati, spezialisiert hat. Der geborene Neuseeländer Brook Henry hat viele Erfahrungen schon mit den Königswellenmodellen gesammelt und ist dabei auch unkonventionelle Wege gegangen. 
So wurde ein Königswellenmotor auf Zahnriemenantrieb direkt von der Kurbelwelle aus, also ohne Zwischenwelle, umgebaut. Diese Maschine mit Eigenbau-Fahrwerk gewann unter Owen Coles die Australische BEARS-Klasse. Damals hieß die Firma von Brook noch Webrook. Heute firmiert er zusammen mit seinem Partner Stuart Barrowclough unter dem bekannteren Namen Vee Two. Unter dieser Bezeichnung wurde auch ein neues Fahrwerk für V2-Königswellen-Motorräder entwickelt, der erste Eigenbau-Rahmen war der Motorleistung von über 100 PS am Hinterrad doch nicht so ganz gewachsen gewesen. 
Das von dem Neuseeländer Ken McIntosh gefertigte Fahrwerk aus geraden TS 23 Chrom-Molybdän-Stahlrohren besitzt eine moderne Lenkgeometrie und verkürzt den Radstand auf 1370 mm. Gleichzeitig ermöglicht es die Demontage des hinteren Zylinderkopfes auch bei eingebautem Motor. Die Hinterradschwinge wird durch ein links unter dem Tank, neben dem hinteren Zylinder montiertes Federbein gedämpft. Diese Anordnung ermöglicht zum einen den kurzen Radstand, außerdem kann man so während der Fahrt die Einstellung des White Power-Stoßdämpfers verändern. Weitere Einstellungsmöglichkeiten bietet die Umlenkhebelei, durch die sich die Höhe des Rahmenhecks verändern läßt.
Dieses RV-1 getaufte Fahrwerk bewährte sich in der Rennmaschine: Beim Battle of Twins-Rennen in Daytona belegte die Maschine 1991 den vierten Platz hinter zwei Superbike-Werks-Ducatis 888 und einer Briten. Es dauerte nicht lange, bis auch ein paar andere Rennfahrer dieses Fahrwerk haben wollten, und von da an war der Weg zu der Straßenversion SV-1 nicht mehr weit. 
Dieses Motorrad hört auf den Namen Vee Two Alchemy und ist sowohl als nach Kundenwunsch zusammengebaute Komplettmaschine oder als Kit-Bike erhältlich. Basis hierfür ist der Rahmenkit, der mit Tank, Bodywork und Stoßdämpfer 3.900 Australische Dollar kostet, das sind ca. 5.000 DM. Der Tank-Sitzbank-Monocoque kann schnell demontiert werden, und auch der darunter sitzende Alutank mit 15 Litern Fassungsvermögen, läßt sich schnell demontieren, um zügig an den Motor heranzukommen. Wie es danach weitergeht, hängt vom Geschmack und dem Geldbeutel ab: Entweder kann man die meisten Teile von einer anderen Königswellen-Ducati verwenden, oder sich aus dem reichhaltigen Zubehörmarkt eine eigene Kreation schaffen: Tele- oder Upsidedown-Gabel, 17- oder 18-Zoll-Räder ... Möglichkeiten gibt es viele. Weltweit gibt es mittlerweile über 100 Vee Two Alchemys.
Lange Zeit galt Brooks Vorliebe den alten Königswellenmotoren, doch mit der Zeit beschäftigte er sich auch mit den neueren Triebwerken auf Pantah-Basis, wobei er sich mehr auf die Zweiventiler konzentrierte. Nachdem er hierfür zahlreiche Tuningteile entwickelt hatte, erwachte mal wieder der Gedanke, ein Komplettfahrzeug zu schaffen. Anstatt wieder ein eigenes Fahrzeug zu entwickeln, griff er hierfür auf den Alu-Rahmen der japanischen Firma Over zurück, und der britische Designer John Keogh entwarf ein neues Design. Das italienisch/japanisch/australisch/britische Gemeinschaftsprodukt wurde auf den Namen Vee Two Squalo (italienisch für Hai) getauft. Die Rahmen von Over geliefert zu bekommen, stellt für Vee Two kein Problem da, aber seit die Amerikaner bei Ducati eingestiegen sind, rückt das Werk an Fremdfirmen (außer Cagiva) keine Motoren mehr raus. (Auch Bimota wird nicht mehr beliefert.) So müssen 900 SS Modelle, von denen in Australien wohl noch genug bei den Händlern stehen, als Teilespender geschlachtet werden. Für ein Komplettmotorrad müssen in der Standardausführung 22.000 australische Dollar (ca. 26.500 DM) bezahlt werden, Kundenwünsche können gegen Aufpreis berücksichtigt werden. Ein Kit, der außer Motor, Federung, Rädern, Elektrik und Bremsen so ziemlich alles enthält, kostet 12.800 australische Dollar (ca. 15.000 DM).
Der Over-Rahmen wiegt mit Schwinge 11,1 Kilo und ist damit ungefähr halb so schwer wie das Ducati-Originalfahrwerk. Das Trockengewicht der Squalo beträgt 168 kg, also fast 20 Kilos weniger als eine 900 SS.
Ihre Rennpremiere soll die Squalo Anfang März in Daytona haben. Hier sollen neue Zylinderköpfe mit je zwei Nockenwellen zum Einsatz kommen. Als Leistung der Rennmaschine werden 120 PS am Hinterrad angegeben. Im Laufe des Jahres soll es diese Zylinderköpfe auch in einer Straßenversion zum Nachrüsten geben, desweiteren soll es auch eine Einarmschwinge geben, die hat Over ja schon seit längerem im Programm.
In Deutschland werden die Vee Two Artikel über die Firma Stein-Dinse in Braunschweig vertrieben. |
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