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Der kleine Korsar
In Deutschland sind als Moto Morinis hauptsächlich die 350er bekannt, die als 3½ bezeichnet werden. Wer sich etwas besser auskennt, dem sind noch die 500er und die Enduros Camel und Kanguro bekannt, vielleicht auch die letzten Maschinen, die auf die Bezeichnungen Dart, New York und Excalibur hörten. Ziemlich unbekannt sind aber die unterschiedlichen Versionen der Morini Corsarino.
Auf dem Veteranenteilemarkt in Novegro, in der Nähe von Mailand, ist jedesmal eine kleine Ausstellung einer italienischen Marke zu sehen. Auf dem Frühjahrsmarkt in diesem Jahr zeigte der italienischeCorsarino Club ca. 20 kleine Morinis in unterschiedlichen Versionen. Angetrieben wurden diese Mopeds allesamt von einem Einzylinder-Viertaktmotor mit 49 Kubikzentimeter. Während viele italienische Motorradhersteller in dieser Klasse Zweitakter anboten, blieb Morini dem Viertaktmotor treu. Die Ventilsteuerung erfolgte über Stößelstangen und Kipphebel. Mit einem Hub von 37 mm und einem Kolbendurchmesser von 41 mm war der Motor kurzhubig ausgelegt. Dreizehn Jahre lang (1963 - 1976) bot der Motorradhersteller aus Bologna unterschiedliche Modelle mit diesem Motörchen an. In dieser Zeit wurden natürlich diverse Änderungen an dem Triebwerk vorgenommen, so variierte die Motorleistung zwischen 1,4 PS bei 4.600 U/min und 4,5 PS bei 9.000 U/min. Die Anzahl der Gänge wurde von drei auf vier erhöht und auch der Vergaserdurchmesser wuchs von 14 auf 15 Millimeter.
Auf dem Corsarino-Motor basierten alle Arten von Mopeds, von der normalen Straßenversion über ein mofaähnliches “Damenmodell”, Scrambler bis hin zum kleinen Rennerle. Die Renner sollen schon damals fast 100 km/h erreicht haben. Die Straßenmaschinen waren nach der italienischen Führerscheinregelung auf eine Endgeschwindigkeit von 40 km/h ausgelegt. Solche 50er durften in Italien ab einem Alter von 14 Jahren ohne Führerschein gefahren werden. Die Typenbezeichnungen lauteten ZT für das normale Modell, die Sportversion hieß ZZ, mit V wurden das “Damenmodell” bezeichnet, und die etwas geländegängigeren Versionen bekamen den Beinamen Scrambler.
Während in Deutschland so kleine Zweiräder kaum Beachtung finden, erfreuen sie sich in Italien großer Beliebtheit, werden sorgfältig restauriert und entsprechend gehandelt. |